wanne-eickel wappen mitte
wanne-eickel wappen unten

Gebäude und Denkmäler
Erholung
Firmen mit Tradition
Stadtgeschichte
Kirmes
Kunst und Kultur
Bergbau
Alte Röhlinghauser erzählen
Bergbaulyrik
Die Königsgruber Feuerwehr
Zeche Pluto
 
Du befindest Dich hier: Bergbau / 

Vom schwarzen Gold des Ruhrreviers.
Die Geschichte des Wanne-Eickeler Bergbaus


Der Kohle verdankt Wanne-Eickel seine Gründung. Auf dem Stadtgebiet lagen vor über 100 Jahren fünf Dörfer mit zusammen knapp 7 000 Einwohnern. Bei der Stadtwerdung im Jahre 1926 waren es 90 000 Menschen. Im Jahre 1955 wurde Wanne-Eickel fünfzigste Großstadt der Bundesrepublik. Ein Drittel der Bevölkerung lebte von der Kohle.
Die Zechen gehörten zu den modernsten des Ruhrreviers, lagen mit den Förderzahlen in der Spitzengruppe des Ruhrbergbaus und leisteten immer wieder Pionierarbeit in der Weiterentwicklung des Kohleabbaus.

Hier liefen einst die ersten Schrämmaschienen, hier wurde das Rammverfahren erprobt, die modernste Abbaumethode der Gegenwart, hier wurde die erste Vierseilförderung erfunden und eingesetzt. 

Heute gibt es in Wanne-Eickel keine fördernde Zeche mehr. Die Kohleförderung hat sich nach Norden ins Münsterland verlagert. Auf den einzelnen Zechenbrachen sind vielfältige neue Nutzungsmöglichkeiten entstanden. Die Emscherregion präsentiert sich heute als Kulturlandschaft. So wurde im Sommer 1999 im Ruhrgebiet die Route der Industriekultur eingeweiht. Die bergmännische Tradition aber wird nach wie vor gepflegt und das nicht nur im "Steigerlied", dies wurde auf dem 9. Deutschen Bergmannstag vom 31. August bis zum 3. September 2000 in Crange von 190 Vereinen und rund 5.200 Knappen aus dem In- und Ausland deutlich unter Beweis gestellt.


Wanne-Eickeler Zechen im Überblick

Zeche  Ortsteil  Abteufbeginn  Schließung 
Königsgrube  Röhlinghausen  1856  1967 
Pluto Schacht Thies  Röhlinghausen  1857  1963 
Pluto Schacht Wilhelm  Bickern  1873  1976 
Unser-Fritz  Unser-Fritz  1871  1993 
Hannibal Schacht 2  Eickel  1872  1959 
Shamrock 3/4  Eickel  1890  1967 

Der Bergmann

Der Hergott hatte alle Rollen in seinem Welttheater verteilt, König und Papst, Spielmann und Bauer, Küster und Priester, Jäger und Fischer, Ritter und Landsknecht, einen jeden an seinen Platz geschickt. Da hatte es sich gefunden, daß ein gar bescheidenes Männlein, das immer hintenan gestanden und sich weder zu einer Königs-, noch zu einer Papstrolle gedrängt hatte, noch keine Rolle erhalten hatte und darum nicht wußte, wohin es sich wenden sollte. Der Herrgott, dem das Männlein un seiner Bescheidenheit wohlgefiel, dachte eine Weile nach, um ihm noch eine recht schöne Rolle zu geben. Allein es zeigte sich, daß sie bereits alle verteilt und er sich schier ausgegeben hatte, so daß es weder im Himmel noch auf Erden etwas für das bescheidene Männlein zu tun gab. Hätte der Herrgott im Himmel noch ein Amt zu vergeben gehabt, er hätte das artige Männlein gewiß gleich zu sich genommen. Da fiel dem lieben Gott etwas ein, das ihn ganz erst stimmte:

"Weil denn weder im Himmel noch auf Erden eine Verrichtung für dich blieb, die deiner würdig wäre, so sollst du deine Rolle unter der Erde spielen. Ich lege alle Schlüssel zu den Pforten der Erde in deine Hand. Reichliche Schätze wirst du finden. Doch sieh dich vor, denn die Geister der Tiefe werden deiner Seele nachstellen!" So stieg denn das bescheidene Männlein als Bergmann in die Erde hinunter, schloß die Pforte der Tiefe auf und fand reichliche Schätze. Glitzerten und funkelten sie auch oft recht verführerisch, das Herz des wackernen Bergmanns ließ sich nicht blenden. Er nahm soviel er zu seines Lebens Notdurft gebrauchte und gab alles, was übrig war, den Armen.

Da trat eines Tages der Böse zu ihm in die Grube, dessen Sinne längst schon nach den Schätzen gestanden hatten, um durch sie die Menschen zu verderben. Er schalt den Bergmann einen Narren, daß er das sauer Verdiente so mit leichten Händen wieder von sich gebe. Und er malte dem armen Schlucker einen herrlichen Palast mit güldenen Zinnen an die Steinwand, kizelte seinen Guamen, indem er von üppigen Mahzeiten und duftenden Weinen redete, so daß dem Bergmann der schwarze Priem auf einmal nicht mehr wohlschmecken wollte und ihm nach Gehörtem das Wasser im Munde zusammenlief. Und fortan machte er es anders. Der Böse hatte sein Herz begehrlich gemacht, und der Bergmann begann nur ein Wohlleben, bei dem für die Armen künftig nichts mehr abfiel. War er bisher der Beherrscher der Schätze und seiner Gier gewesen, so herrschten nun die Schätze der Tiefe und die Habgier über seine arme Seele. Das klare Bergwasser wollter ihm nicht mehr munden, das kräftige Brot nicht mehrbekommen, Es mußte schon Kuchen sein, und aus der Weinseligkeit kam unser Bergmann gar nicht mehr heraus.

Aber der Teufel wollte ihn noch gründlicher verderben. Als der Bergmann wieder eine ganze Nacht gefeiert und getrunken hatte, schickte im der Böse seinen gerissenenen Advokaten auf den Hals. Der ließ dem ahnungslosen, seinen Sinnen nicht mehr mächtigen Zecher einen schlimmen Pakt unterschreiben. Durch die Unterschrift, die der Willenlose lachend gab, verschrieb sich dieser dem Advokaten für immer als Sklave. Am nächsten Morgen schon mußte er auf die Schicht fahren und schwer arbeiten für kümmerlichen Tageslohn. Als er darauf anfangen wollte zu murren, zeigte ihm der Böse hohnlachend die Unterschrift. So hatte der Teufel sein Ziel erreicht und die Schätze der Tiefe in seine Gewalt gebracht. Seit jener Zeit sitzt der Leibhaftige in jedem Goldstück, in jedem Taler. Der Bergmann aber ist ein armer Schlucker geblieben.


Quellen:
Text: Geschichte des Wanne-Eickeler Bergbaus von Heinrich Lührig
Text: Der Begmann von Reinhold Grasreiner, Im Herzen des Ruhrlandes. Eine Nacherzählung von Peter Zimmermann


   
  Wanne-Eickeler Jungs zeigen Wanne-Eickel